Kanu mit Einsicht

Auf dem Weg zu einem umweltsensiblen Kanusport sind sicherlich Beiträge von mehreren Seiten nötig:

- die Gewässerbelastung durch Industrie, Landwirtschaft und Wasserbau muß zurückgenommen werden.

- der organisierte und nichtorganisierte Kanusport muß seine auf Wettbewerb, unkontrolliertes Wachstum und "Freizeit-Action" ausgerichteten Ziele grundlegend reformieren.

Er müßte ein umweltorientiertes Selbstverständnis entwickeln und sich gesellschafts-und sportpolitisch im Gewässerschutz und in der Umweltbildung engagieren. Da sich allerdings nur noch eine kleine Minderheit von Paddlern an diesen Maximen orientiert, wächst die Bedeutung begründeter, von außen vorgegebener Naturschutz-Regelungen, an die wir uns zu halten haben. Doch unabhängig davon kann sich schon jetzt jeder einzelne Paddler bei der Sportausübung naturbewusst verhalten.Speziell für diese Gruppe hat die Hessische Kanuschule ihre Erfahrungen in "10 Hinweisen für ein Kanufahren mit Einsicht" zusammengefasst.

 

1. Bewußt auswählen

Bereits bei der Fahrtenplanung Umweltgesichtspunkte berücksichtigen: Fahrtentermine soweit wie möglich von Hauptreisezeiten abkoppeln, übernutzte Gewässer meiden, das Verhältnis von gefahrenen Auto- zu Paddelkilometern überdenken. Nicht von prestigebehafteten, scheinattraktiven Angeboten oder "Vorbildern" blenden lassen: Flüsse, Seen und Meere als Naturraum begreifen, nicht als "Action-Center".

2. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen

Bei unumgänglichem PKW-Gebrauch Bildung von Fahrgemeinschaften organisieren, das Umsetzen mit möglichst wenig PKW-Gebrauch durchführen. Öfter mal wieder zu Fuß oder per Rad zur Einsatzstelle zurückkehren. Soweit möglich, Bahnreisen nutzen.

3. Gewässerinformationen einholen

Das Gewässer richtig einschätzen: Tabuzonen, Naturerholungsgebiete und Sportflächen erfordern ein unterschiedliches Freizeitverhalten. Generell nur bei ausreichendem Wasserstand losfahren: durchschnittlich 50 cm helfen die Zerstörung von Kleinlebewesen, Pflanzen und Fischlaich zu unterbinden. Nur auf geeigneten und ausgewiesenen Flüssen paddeln. Verbote aus Naturschutzgründen respektieren. Beim Einsetzen auch mal längere Tragewege für Boote in Kauf nehmen.

4. Richtig paddeln lernen

Sein Sportgerät beherrschen lernen, einschließlich dazu nötiger Naturregeln, um Ufer- und sonstige Biotopschädigungen zu vermeiden. Erst wenn eine Könnensstufe sicher beherrscht wird, langsam steigern. Flußerfahrung sammeln. Mit dem Fluß fahren, nicht gegen ihn. Auf Harmonie in der Fahrtengruppe achten.

5. Nur in angepaßten Gruppengrößen paddeln

Sensibilität für naturverträgliche Gruppengrößen entwickeln. Bei Veranstaltungen die Kleingruppen auf mehrere Flüsse verteilen. Nur an umwelt- und sozialverträglichen Kanu-Maßnahmen teilnehmen.

6. Abfall vermeiden oder entsorgen

Möglichst wenig Verpackungsmaterial mitnehmen, umweltfreundliche Produkte und Verpackungen nutzen. Keinen Abfall in der Landschaft zurücklassen. Mit Gruppen nur auf entsorgten Zeltplätzen campieren.

7. Tiere und Pflanzen schützen

Vorgegebene Naturregeln einhalten. Flachwasserbereiche, Schilf-und Uferzonen als Brut-und Aufzuchtgebiet für Wasservögel möglichst meiden. Sich einschränken und zu sensiblen Brutzeiten auf Befahrungen verzichten. Keine Lebewesen stören oder beunruhigen. Keine Großgruppen, Bootsverleih, Dauertraining, Rodeo usw. in Naturvorrangbereichen.

8. Die Vielfalt des Kanusports auskosten

Kanusport in seiner Vielfalt ausüben anstatt eine Spezialdisziplin zu favorisieren: beim Wasserwandern, Wildwasserfahren, dem Seekajakfahren die vielen Gesichter der Natur kennenlernen. Öfter mal wieder Gepäckfahrten unternehmen.

9. Streß vermeiden

Das Naturerlebnis über sportliche Extremleistungen stellen. Anstatt viele Flüsse oder Flußkilometer "abzuhaken", lieber wenige Flüsse intensiv genießen. Nicht lärmen und gröhlen. Ab und zu Ruhetage einlegen.

10. Interesse an Natur, Umwelt und Kultur zeigen

Flußlandschaften in ihren Besonderheiten wahrnehmen, verstehen und erleben lernen. Den gesamten Urlaubsort einschließlich seiner Geschichte und Probleme kennenlernen. Sich ohne Aufdringlichkeit und Besserwisserei für das Leben der Einheimischen interessieren. Sachliche Kritik an vorhandenen Gewässerbelastungen und Fehlentwicklungen äußern. Hausgewässer durch Patenschaften schützen helfen.